Ich werde 30.
Nach Maikes Artikel zum Altern auf kleinderdrei wollte ich gleich aus gegebenem, oben stehenden Anlass einen Kommentar hinterlassen, habe es mir dann aber doch anders überlegt, da das Thema tatsächlich doch ein sehr großes ist.
In meiner Familie herrscht ein Spagat der Generationen: Zwischen mir und meinem älteren Bruder liegen 15 Jahre, meine Mutter war mitte 30 als sie mich bekommen hatte - mein Vater war da sogar schon mitte 40. Meine Eltern wiederum sind selbst unter den jüngsten ihrer Familien, weswegen ich aus dem Familiären eigentlich nur die Situation kenne, Küken zu sein. Ich bin groß geworden mit Erwachsenen, die anstelle einer Midlife Crisis ein aktives Leben geführt haben, die Profession gewechselt und für sie bedeutungsvolle neue Tätigkeiten gefunden haben. Entsprechend wenig Angst habe ich vor dem Altern als Zuwachs an erlebter Lebenszeit. Vielleicht aber umso mehr vor Gebrechlichkeit und Demenz, immerhin war ich noch nicht fertig mit der Schule, als meine Eltern damit begannen, über Pflege oder die Finanzierung der Beerdigungen zu sprechen. Nicht zu vergessen, dass meine (also die einzige verbliebene) Oma Monate nach einem schweren, den ganzen Körper lähmenden Schlaganfall verstarb, als ich gerade mal neun war - eine Oma, die ich immer nur als weißhaarige Frau kannte, die aber ebenfalls bis zum Schluss eine aktive, lebensfrohe Person war.
Somit habe ich das Glück, genügend Vorbilder fürs Altern in meiner direkten Umgebung zu haben, so dass mich das Nullen diesen Monat eigentlich ziemlich kalt lässt.
Natürlich: Ich hätte beruflich schon weiter sein können und wenn jüngere Menschen bereits deutlich mehr erreicht haben als ich, fühle ich mich manchmal insgeheim doch etwas alt. Dann aber fällt mir ein, wie viel Zeit ich (vermutlich) noch habe, um Gutes zu leisten. Erfolg ist kein Rennen, sondern eine höchst individuelle Sache. Der Wert von Erfolg ist nicht negativ korreliert mit dem Alter der Person. Das mag am Arbeitsmarkt vorbei argumentiert sein - und das Vorurteil, nur bezahlte Arbeit sei wertvolle Arbeit steckt ja leider tief - aber der Arbeitsmarkt ist eben nicht alles, Gehalt ist kein Maß für Produktivität und ich bin sogar schwer davon überzeugt, dass in Zeiten, in denen tatsächlich notwendige Berufe auf dem Arbeitsmarkt immer weniger repräsentiert sind, die gesellschaftlich wertvollere Arbeit oft, wenn nicht sogar vorwiegend unbezahlt gemacht wird.
Ob ich mich am Ende meines Lebens also ausgerechnet mit meiner getätigten Lohnarbeit identifizieren werde oder mit Leidenschaften, die ich anderweitig ausgelebt habe, wird sich zeigen. Es ist nunmalhalt so, dass ich sehr mit mir hadere, an mir zweifle und vielleicht erst jetzt, mit (quasi) 30 den Mut finde, mich sichtbar zu machen und mich "auszutesten". Ich bin erst in den letzten Jahren zu einer bekennenden Feministin und Quasi-Veganerin geworden, habe im letzten Jahr erst so einiges darüber gelernt, wie ich zur Liebe stehe und wie dort meine Ideale verortet sind.
Eitelkeit ist für mich ein ambivalentes Thema: Ich sehe es relativ gelassen, dass meine Haut altert, andererseits habe ich aber auch erst seit zwei Jahren wieder ein gesellschaftlich "akzeptables" Gewicht und fühle mich daher - nach gängigen Schönheitsidealen - "hübscher" als viele Jahre zuvor - ein Umstand, der an sich schon diskutabel ist und mehr über unsere Gesellschaft als über mich selbst verrät.
Ich denke, letztendlich ist das Fazit meines Lebens folgendes: Erwachsen Werden existiert nicht. Man kann ein ganzes Leben damit verbringen, sich mit Steuererklärungen "anzufreunden". Wenn man außerdem Zwischenziele wie die, eine Famile zu gründen und "sesshaft" zu werden, verwirft, bleibt wenig übrig, was das junge Leben vom "alten" unterscheidet. Insbesondere, wenn man in einem Feld Fuß zu fassen versucht, in dem unbefristete Stellen rar und ein Nomadenleben die Regel ist.
Eine Weile lang hatte ich gehofft, ich könnte in jedem Tag eine neue Chance sehen - was leider, da man einen Rattenschwanz an Vorgeschichte mitrbingt, nur eine ausgesprochen begrenzte Wahrheit darstellt. Inzwischen sehe ich mich zunehmend als Produkt eines anhaltenden Prozesses. Und trotzdem: Es wäre schön, eines morgens aufwachen zu können und entscheiden zu können, wer man ist. Vielleicht weniger introvertiert, vielleicht selbstbewusster, vielleicht mit mehr Motivation und mehr Leidenschaft. Vielleicht mit dem Wissen, wer man ist, und wohin man damit will. "Früher" hat man vielleicht darauf spekuliert, dass dieses Wissen Teil des erwachsen Werdens ist und dass man dann "endlich" seinen Weg gehen wird. Den einzig wahren, der einen zu seiner "Bestimmung" führt. Es ist trivial und gleichzeitig ernüchternd festzustellen, dass es ein fortlaufender Prozess ist, sich selbst zu finden, sich zu definieren, Ziele zu finden, Ziele zu erreichen und dabei vielleicht auch noch ein Gefühl der Befriedigung zu erlangen.
Der Umstand, dass wir einmalig sind, schützt uns nicht davor, dass wir ganz normale und verbreitete Krisen durchleben, die sich damit umschreiben lassen, dass wir einer unter über 7 Milliarden Menschen sind - und dabei altern.
Montag, 16. Juni 2014
Donnerstag, 29. Mai 2014
Heiraten
Da bin ich wieder. Viel hat sich getan, das meiste ist geblieben. Letztendlich habe ich vor Allem nichts geschrieben, weil es zu jedem Thema ja doch jemanden gibt, der das alles schon besser, ausführlicher und vor Allem informierter geschrieben hat.
Andererseits: Ätsch.
In letzter Zeit frage ich mich, was alles meine Gründe gegen das Heiraten sind. Und es sind tatsächlich gar nicht mal so wenige. Da ich, wäre diese Überzeugung keine zutiefst persönliche Sache, auch aus den besten Gründen auf eine kulturell derart tief verwurzelte und positiv besetzte Tradition nicht verzichten würde, wird der Kern wohl egoistisch motiviert sein. Also stelle ich das der Ehrlichkeit halber doch gleich an den Anfang: Ich möchte allein deswegen schon nicht heiraten, weil mir unwohl bei dem Gedanken ist, aufgrund von wandelbaren Gefühlen, die auf ein wandelbares Objekt (weil Subjekt ;) ) gerichtet sind, langfristige Pläne zu machen. Natürlich wäre es schön, Gewissheit zwischen all der Ungewissheit bezüglich meines weiteren Lebenswegs zu haben, aber die lässt sich im Zwischenmenschlichen nunmalhalt nicht in Granit meißeln. Zwar mag die Ehe einen weiteren Anreiz geben, um eine Beziehung zu kämpfen, aber an dem Punkt, an dem einen nur noch der Aufwand einer Scheidung davon abhält, sich zu trennen, wäre man mit einer Trennung vermutlich eh schon lange besser dran.
Ich will auch und besonders nicht heiraten, weil ich zu stolz dafür bin, denn ich sehe auch heute noch einen Zusammenhang zwischen Ehe und patriarchalen Denkstrukturen: Da wir nämlich noch immer in einer Gesellschaft leben, die vorwiegend von Männern geprägt wird (je mächtiger eine Position, desto wahrscheinlicher, dass ein Mann sie einnimmt) und in denen Frauen weiterhin die Ehe als erstrebenswertes Ziel dargestellt wird, schwingt ein Gewisser Unterton, Männer bekämen irgendwann "ihre" Frau automatisch mit. Weil nämlich die Kernfamilie noch immer propagiert wird und es als selbstverständlich erachtet wird, dass die Frau die Erziehung übernimmt. Ein Mann möchte Kinder, also muss er "seine" Frau finden, die ihm diesen Wunsch erfüllt, während er sein Lebensmodell im Beruflichen weiter ausschmückt.
Dadurch, dass sich die Politik noch immer vorwiegend auf die Unterstützung der Kernfamilie begrenzt, während gleichzeitig durch das Erziehungsgeld ein Anreiz für die häusliche Kindererziehung gesetzt wird, bekomme ich als Frau ein deutliches Signal gesendet: Wenn du eine gut ausgebildete Frau bist, die trotz fehlender Quote einen Job findet, dann haben wir *vielleicht* einen Platz in der Kinderkrippe für dein (künftiges) Kind. Andernfalls halten wir dir dieses schöne warme Plätzchen in der Gesellschaft frei, in dem du der Gesellschaft unsichtbar und unbezahlt zuarbeiten darfst. ("Woher sollen denn sonst die künftigen Rentenbeiträge kommen?!")
Zusammen gefasst bedeutet das für mich, dass die Emanzipation der Frauen nicht ohne eine Emanzipation von der Kernfamilie statt finden kann. Das betrifft nicht die Wahl des/der Einzelnen, aber eine gesellschaftliche Veränderung muss in der Summe schon vor sich gehen.
Ich will meinen eigenen Lebensweg gehen und ich will mich nicht durch Mutterschaft in die Ehe oder durch Ehe in die Mutterschaft und damit in eine Rolle drängen lassen, die mir gesellschaftlich einfach zu unsichtbar ist.
Ich möchte nicht unsichtbar sein. Ich will teilnehmen.
Ein weiterer Punkt ist für mich die unberechtigte Adelung heterosexueller Paarbeziehung auch dann, wenn diese kinderlos sind. Es geht Homo-Ehe-Gegnern also nur um den speziellen Status, den Mann und Frau als Eltern haben? Wo bleiben dann die Shitstorms gegen gewollt und ungewollt kinderlose Paare in heterosexuellen Konstellationen, die heiraten wollen? Nein, natürlich geht es nicht nur um ein vermeindliches Kindeswohl - Kinder gibt es auch ohne Trauschein, in Haushalten ohne Vater oder Mutter, in Patchworkfamilien, mit zwei Vätern, zwei Müttern, in Kommunen, Poly-Beziehungen und überhaupt potentiell überall dort, wo Menschen ganz privat ihre eigene Familie definieren.
Was homosexuellen Paaren durch den fehlenden Zugang zur Institution "Ehe" sicherlich nicht unabsichtlich verwehrt wird, ist eben diese "Adelung" ihrer Beziehung: Die romantische Vorstellung, "den Bund fürs Leben" einzugehen, vor einer Gruppe von Menschen die eigene Beziehung zu feiern, die Beziehung offiziell zu machen und staatlich anerkennen zu lassen.
Ich bin also auch deswegen nicht zu heiraten, weil ich gar nicht will, dass meine heterosexuellen Beziehungen als selbstverständlicher, normaler und legitimer angesehen werden als homosexuelle Beziehungen (zumal ich auch gar nicht ausschließen kann oder will, eine verlässliche und geliebte Partnerin zu finden - oder eine genderqueere Person). Ich habe gar kein Interesse daran, den Ist-Zustand zu unterstützen, indem ich Privilegien unterstütze, die ich zutiefst ungerecht und diskriminierend finde.
Natürlich kann man als heterosexuelles Paar selbst heiraten und gleichzeitig die Homo-Ehe unterstützen und wäre ich überhaupt eine Freundin des Konzepts "Ehe" wäre das vermutlich genau das, was ich tun würde, aber als jemand, der sowieso gegen das "Normieren" von Beziehungen ist, sind heteronormative Strukturen im Recht einfach ein weiterer Grund auf die Adelung meiner Beziehung(en) auf offizieller Ebene zu pfeifen.
Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, Verbindlichkeiten auf unbestimmte Zeit einzugehen. Man kann Menschen, mit denen man biologisch nicht verwandt ist, so nahe sein, dass man ihnen den Familienstatus zusprechen lassen möchte, damit z.B. im Falle eines Unglücks, in der man selbst nicht mehr über die eigene medizinische Versorgung entscheiden kann, jemand stellvertretend entscheiden kann, dem man vertraut. Aber das muss nicht mit finanziellen Vorteilen einhergehen und vor allen Dingen muss man deswegen nicht zu einer Leistungsgemeinschaft zusammen gefasst werden, welche die traditionelle Arbeistteilung zumindest... naja... nahe legt.
Es gibt einen weiteren Grund, warum ich nicht einmal nur die Ehe, sondern vielmehr den klassischen Lebensweg, einen Lebenspartner zu finden und um ihn herum sein Leben zu defininieren, durchaus kritisch sehe: Weil dadurch, dass unser Anfang und unser Ende in Kernfamilien statt finden "soll" wir partikuliert werden und dadurch ganz besonders auf Konsum angewiesen und fixiert sind: Wenn sich immer nur zwei erwachsene Menschen Wohnraum mit Küche und Sanitäranlagen, Unterhaltungstechnik, Haushaltsgeräten und so weiter teilen müssen, dann muss auch einfach mehr konsumiert werden. Dafür muss mehr gearbeitet werden und es bleibt weniger Zeit für andere Projekte, beispielsweise auch, politisch aktiv zu werden. Es stabilisiert so den Status Quo, besonders, wenn Kinder ins Spiel kommen, denn eine Aufgabe, von der man nicht umsonst sagt, sie bedürfe "ein ganzes Dorf" wird dann in der Hauptsache zwei Menschen aufgelastet.
Nicht, dass ich mit meinem Singlehaushalt für viel anderes leben würde, als für den Konsum - zumindest zeitlich betrachtet. Aber mir ist in letzter Zeit klar geworden, wie sehr Beziehungen unter Erwachsenen auf relativ oberflächliche Kontakte beschränkt werden, wenn es sich nicht um Verwandtschaftsbeziehungen handelt und dass wir uns dadurch der Möglichkeit berauben, uns gegenseitig intensiver zu stützen, mehr zu teilen, Kompetenzen zu vereinigen und ein ganzes Stück autonomer von Arbeitsmarktsituationen und staatlicher Hilfe (inklusive den damit verbundenen Sanktionen) und vielleicht sogar von Krippenplätzen zu werden.
Ich weiß nicht, ob ich für das Leben in einer Kommune geeignet wäre, aber sollte diese Idee in Zeiten von wirtschaftlichen Unsicherheiten nicht viel näher liegen, als sie es tut?
Andererseits: Ätsch.
In letzter Zeit frage ich mich, was alles meine Gründe gegen das Heiraten sind. Und es sind tatsächlich gar nicht mal so wenige. Da ich, wäre diese Überzeugung keine zutiefst persönliche Sache, auch aus den besten Gründen auf eine kulturell derart tief verwurzelte und positiv besetzte Tradition nicht verzichten würde, wird der Kern wohl egoistisch motiviert sein. Also stelle ich das der Ehrlichkeit halber doch gleich an den Anfang: Ich möchte allein deswegen schon nicht heiraten, weil mir unwohl bei dem Gedanken ist, aufgrund von wandelbaren Gefühlen, die auf ein wandelbares Objekt (weil Subjekt ;) ) gerichtet sind, langfristige Pläne zu machen. Natürlich wäre es schön, Gewissheit zwischen all der Ungewissheit bezüglich meines weiteren Lebenswegs zu haben, aber die lässt sich im Zwischenmenschlichen nunmalhalt nicht in Granit meißeln. Zwar mag die Ehe einen weiteren Anreiz geben, um eine Beziehung zu kämpfen, aber an dem Punkt, an dem einen nur noch der Aufwand einer Scheidung davon abhält, sich zu trennen, wäre man mit einer Trennung vermutlich eh schon lange besser dran.
Ich will auch und besonders nicht heiraten, weil ich zu stolz dafür bin, denn ich sehe auch heute noch einen Zusammenhang zwischen Ehe und patriarchalen Denkstrukturen: Da wir nämlich noch immer in einer Gesellschaft leben, die vorwiegend von Männern geprägt wird (je mächtiger eine Position, desto wahrscheinlicher, dass ein Mann sie einnimmt) und in denen Frauen weiterhin die Ehe als erstrebenswertes Ziel dargestellt wird, schwingt ein Gewisser Unterton, Männer bekämen irgendwann "ihre" Frau automatisch mit. Weil nämlich die Kernfamilie noch immer propagiert wird und es als selbstverständlich erachtet wird, dass die Frau die Erziehung übernimmt. Ein Mann möchte Kinder, also muss er "seine" Frau finden, die ihm diesen Wunsch erfüllt, während er sein Lebensmodell im Beruflichen weiter ausschmückt.
Dadurch, dass sich die Politik noch immer vorwiegend auf die Unterstützung der Kernfamilie begrenzt, während gleichzeitig durch das Erziehungsgeld ein Anreiz für die häusliche Kindererziehung gesetzt wird, bekomme ich als Frau ein deutliches Signal gesendet: Wenn du eine gut ausgebildete Frau bist, die trotz fehlender Quote einen Job findet, dann haben wir *vielleicht* einen Platz in der Kinderkrippe für dein (künftiges) Kind. Andernfalls halten wir dir dieses schöne warme Plätzchen in der Gesellschaft frei, in dem du der Gesellschaft unsichtbar und unbezahlt zuarbeiten darfst. ("Woher sollen denn sonst die künftigen Rentenbeiträge kommen?!")
Zusammen gefasst bedeutet das für mich, dass die Emanzipation der Frauen nicht ohne eine Emanzipation von der Kernfamilie statt finden kann. Das betrifft nicht die Wahl des/der Einzelnen, aber eine gesellschaftliche Veränderung muss in der Summe schon vor sich gehen.
Ich will meinen eigenen Lebensweg gehen und ich will mich nicht durch Mutterschaft in die Ehe oder durch Ehe in die Mutterschaft und damit in eine Rolle drängen lassen, die mir gesellschaftlich einfach zu unsichtbar ist.
Ich möchte nicht unsichtbar sein. Ich will teilnehmen.
Ein weiterer Punkt ist für mich die unberechtigte Adelung heterosexueller Paarbeziehung auch dann, wenn diese kinderlos sind. Es geht Homo-Ehe-Gegnern also nur um den speziellen Status, den Mann und Frau als Eltern haben? Wo bleiben dann die Shitstorms gegen gewollt und ungewollt kinderlose Paare in heterosexuellen Konstellationen, die heiraten wollen? Nein, natürlich geht es nicht nur um ein vermeindliches Kindeswohl - Kinder gibt es auch ohne Trauschein, in Haushalten ohne Vater oder Mutter, in Patchworkfamilien, mit zwei Vätern, zwei Müttern, in Kommunen, Poly-Beziehungen und überhaupt potentiell überall dort, wo Menschen ganz privat ihre eigene Familie definieren.
Was homosexuellen Paaren durch den fehlenden Zugang zur Institution "Ehe" sicherlich nicht unabsichtlich verwehrt wird, ist eben diese "Adelung" ihrer Beziehung: Die romantische Vorstellung, "den Bund fürs Leben" einzugehen, vor einer Gruppe von Menschen die eigene Beziehung zu feiern, die Beziehung offiziell zu machen und staatlich anerkennen zu lassen.
Ich bin also auch deswegen nicht zu heiraten, weil ich gar nicht will, dass meine heterosexuellen Beziehungen als selbstverständlicher, normaler und legitimer angesehen werden als homosexuelle Beziehungen (zumal ich auch gar nicht ausschließen kann oder will, eine verlässliche und geliebte Partnerin zu finden - oder eine genderqueere Person). Ich habe gar kein Interesse daran, den Ist-Zustand zu unterstützen, indem ich Privilegien unterstütze, die ich zutiefst ungerecht und diskriminierend finde.
Natürlich kann man als heterosexuelles Paar selbst heiraten und gleichzeitig die Homo-Ehe unterstützen und wäre ich überhaupt eine Freundin des Konzepts "Ehe" wäre das vermutlich genau das, was ich tun würde, aber als jemand, der sowieso gegen das "Normieren" von Beziehungen ist, sind heteronormative Strukturen im Recht einfach ein weiterer Grund auf die Adelung meiner Beziehung(en) auf offizieller Ebene zu pfeifen.
Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, Verbindlichkeiten auf unbestimmte Zeit einzugehen. Man kann Menschen, mit denen man biologisch nicht verwandt ist, so nahe sein, dass man ihnen den Familienstatus zusprechen lassen möchte, damit z.B. im Falle eines Unglücks, in der man selbst nicht mehr über die eigene medizinische Versorgung entscheiden kann, jemand stellvertretend entscheiden kann, dem man vertraut. Aber das muss nicht mit finanziellen Vorteilen einhergehen und vor allen Dingen muss man deswegen nicht zu einer Leistungsgemeinschaft zusammen gefasst werden, welche die traditionelle Arbeistteilung zumindest... naja... nahe legt.
Es gibt einen weiteren Grund, warum ich nicht einmal nur die Ehe, sondern vielmehr den klassischen Lebensweg, einen Lebenspartner zu finden und um ihn herum sein Leben zu defininieren, durchaus kritisch sehe: Weil dadurch, dass unser Anfang und unser Ende in Kernfamilien statt finden "soll" wir partikuliert werden und dadurch ganz besonders auf Konsum angewiesen und fixiert sind: Wenn sich immer nur zwei erwachsene Menschen Wohnraum mit Küche und Sanitäranlagen, Unterhaltungstechnik, Haushaltsgeräten und so weiter teilen müssen, dann muss auch einfach mehr konsumiert werden. Dafür muss mehr gearbeitet werden und es bleibt weniger Zeit für andere Projekte, beispielsweise auch, politisch aktiv zu werden. Es stabilisiert so den Status Quo, besonders, wenn Kinder ins Spiel kommen, denn eine Aufgabe, von der man nicht umsonst sagt, sie bedürfe "ein ganzes Dorf" wird dann in der Hauptsache zwei Menschen aufgelastet.
Nicht, dass ich mit meinem Singlehaushalt für viel anderes leben würde, als für den Konsum - zumindest zeitlich betrachtet. Aber mir ist in letzter Zeit klar geworden, wie sehr Beziehungen unter Erwachsenen auf relativ oberflächliche Kontakte beschränkt werden, wenn es sich nicht um Verwandtschaftsbeziehungen handelt und dass wir uns dadurch der Möglichkeit berauben, uns gegenseitig intensiver zu stützen, mehr zu teilen, Kompetenzen zu vereinigen und ein ganzes Stück autonomer von Arbeitsmarktsituationen und staatlicher Hilfe (inklusive den damit verbundenen Sanktionen) und vielleicht sogar von Krippenplätzen zu werden.
Ich weiß nicht, ob ich für das Leben in einer Kommune geeignet wäre, aber sollte diese Idee in Zeiten von wirtschaftlichen Unsicherheiten nicht viel näher liegen, als sie es tut?
Montag, 28. Januar 2013
Das N-Wort
Vorerst möchte ich präventiv um Entschuldigung bitten, falls ich aufgrund eigener Privilegien das ein oder andere Fettnäpfchen übersehen haben sollte. Bevor ich daraufhin fettige Fußabdrücke überall in meinem Blog verteile, würde ich mich über konstruktives Feedback freuen.
Wenn man mit "neutral" meint, dass man damals noch keinen gesellschaftlichen Widerstand gegen die Verwendung rassistischer Sprache erfahren hat, dann mag das sogar stimmen. Andernfalls... nun, ganz einfache Frage zur Überprüfung der Neutralität des Begriffs: Stand das N-Wort jemals für "gleichwertiger Mitmensch mit dunklerer Hautfarbe"? Wann? Zu Zeiten des Kolonialismus? Als man es aufgrund der vermeintlichen Minderwertigkeit anderer "Rassen" gerechtfertigt hielt, Schwarze als Sklaven zu halten?
Ich glaube, die Verwirrung um die vermeintliche Neutralität geht viel tiefer. Wenn jemand nämlich ganz selbstverständlich sagt, "Und dann hat mich ein Schwarzer angesprochen und nach dem Weg gefragt", hat man sich am Ausgrenzen bereits beteiligt, weil man eine Unterscheidung getroffen hat, die in dem Moment keinerlei Relevanz besaß.
Warum ist die Hautfarbe überhaupt von situationsunabhängiger Relevanz? Warum ist ein Mensch, der etliche Eigenschaft vereint, also... naja, eben ein Mensch ist... überhaupt primär schwarz, braun, asiatisch ("gelb" sagt ja zum Glück kaum mehr wer)?
Hier mal ein Tipp: Barack Obama ist ein dunkelhäutiger Präsident in Kontrast zu der langen Geschichte weißer Präsidentschaft in den USA. Davon ab ist er einfach nur Präsident der vereinigten Staaten. Punkt.
Wenn ich sprachliche Unterschiede mache, die gerade überhaupt keine Relevanz haben, dann mache ich den Unterschied seiner selbst willen. Ich grenze ab. Abgrenzung + white privilege (Link enthält eine Checkliste) = Konservierung von Rassismus. So schnell geht das. Denn durch die Abgrenzung halten wir die Unterscheidung am Leben, die Rassisten brauchen, um aus einem Unterschied eine Wertung zu konstruieren.
Das bedeutet nicht, dass es keinen Unterschied zwischen dunkler und heller Haut gäbe. (Das wäre ja auch eine lächerliche Behauptung.) Aber es gibt unzählige Unterschiede zwischen Menschen und die meisten davon machen aber keinen Unterschied und wir machen aus ihnen keinen Unterschied. Wie Schuhgröße. Oder Augenfarbe. Oder ob die Haare glatt oder gewellt sind. Ob die Stimme tief oder hell ist.
Ich will damit Minderheiten nicht ihr Recht auf eine eigene Identität absprechen - wenn Unterscheidungen schon vorherrschen, ist es vermutlich essenziell für die betroffenen Minderheiten, sich durch eine eigene Identität von den Fremdzuschreibungen der Privilegierten zu emanzipieren.
Natürlich gibt es außerdem statistische Unterschiede aufgrund der gemeinsamen Abstammung innerhalb der Gruppen. Wie z.B. die Laktosetoleranz, die vorwiegend auf der nördlichen Halbkugel anzutreffen ist. Aber nun sind solche Unterschiede ja doch im Alltag vollkommen irrelevant und treffen auch nicht auf jedes Mitglied einer definierten Gruppe zu.
Es gibt auch analoge Beispiele aus nicht-rassistischen Kontexten. "Blondinen" zum Beispiel.
Auch hier haben wir ein oberflächliches Merkmal, dessen Bedeutung überhöht wird, indem es zum Sammelbegriff für Menschen erhoben wird. Und auch hier wirkt die Unterscheidung gleich als Ansatzpunkt von Abwertung, wie Blondinenwitze zeigen. Und auch hier wirken diese Vorurteile auf die Betroffenen, wie dieses Experiment gezeigt hat.
Blondinen werden dadurch aber nicht zu "Fremden" gemacht, sie genießen also auch white privilege. Sie sind punktuell diskriminiert, wo sie mit ihrem Klischee konfrontiert werden, aber sie sind nicht "die Anderen", sie sind nur eine andere Spielart von "uns".
Letztendlich liegt das Problem beim Rassismus genau bei diesem "Wir".
Warum ist ein in Deutschland sozialisierter dunkelhäutiger Mensch mir "fremder" als ein hellhäutiger? Oder gar als ein hellhäutiger Franzose? Ganz klar: Ist er/sie nicht.
Es ist ein essenzialistisches Denken, in dem Menschen aufgrund oberflächlicher Merkmale in "Abstammungslinien" eingeordnet werden und woraus ein "wir" und mehrere "ihr" ersponnen werden. Es wird also eine Essenz von Rasse konstruiert . Und danach unterschieden. So viel zur Frage ob das N-Wort rassistisch sei.
Ich weiß nicht, ob ich damit zu einer Minderheit gehöre, aber ich weiß noch, wie ich damals die "Negerlein" in Kinderbüchern erlebt habe:
Weiße Kinder hatten Namen, eine Familie, Hobbies und waren Helden ihrer eigenen Geschichte. "Negerlein", das war eine Gruppe passiver Figürchen, mit denen etwas passierte, die aber selten aktiv ihr Leben gestaltet haben.
Ich habe diese Unterscheidung verstanden. Ich habe nicht verstanden, warum sie gemacht wurde, warum nur weiße Kinder eigene Geschichten hatten, aber dass dem so war, das habe ich erkannt.
Und über zwei Jahrzehnte später muss ich immer noch unbewusste Unterscheidungen aufarbeiten, die mir als Mittel der Erzählung meiner eigenen Geschichte quasi in die Wiege gelegt worden sind.
Das würde ich Kindern, wenn ich welche hätte, nicht aufbürden wollen.
Und wie tief diese frühkindlichen Erlebnisse erst bei direkt Betroffenen gehen müssen, kann ich selbst noch nicht einmal ermessen.
Die Frage ist nun: Wollen wir weiterhin an unserem weißen Privileg festhalten, Anderen unsere Gruppenzuschreibungen überzustülpen um diese dann mit den Konsequenzen leben zu lassen? Haben wir das Recht dazu, die Deutungshoheit über Gruppen von Menschen an uns zu reißen, auch wenn wir dadurch ihre Chancen im Leben beeinflussen?
Pfui, ihr N-Wort-Beschützer! Dass euch ein Wort, das euch selbst nicht betrifft wichtiger ist, als die Konsequenzen für die, die es betrifft! Heuchler!
P.s.: Und nein, das Umwerten eines negativ behafteten Wortes zu etwas Neutralem oder gar Positivem ist nicht Sache der Privilegierten! Wenn ihr Minderheiten neutral ansprechen wollt, dann fragt die Minderheiten, wie sie angesprochen werden möchten!
Weil meine Sicht als "Weiße" nicht frei von Privilegien ist, hier zwei Link-Tipps:
Sonntag, 27. Januar 2013
#Aufschrei und Elevatorgate
Im Sommer 2011 stand die skeptische Internet-Community in Flammen. Eine berühmte Bloggerin (Rebecca Watson) hatte eine "creepige" Grenzüberschreitung seitens eines Mannes thematisiert und - wie konnte sie nur? - kommentiert. Hintergrund war, dass ihr jemand auf einer Skeptiker-Konferenz spät nachts in den Aufzug gefolgt ist, um sie dort anzugraben. "Guys, don't do that!" sagte sie.
Daraufhin brach ein Shitstorm über sie und feministische Skeptikerinnen ein. Der Vorfall wurde von vielen Männern herunter gespielt, die unter Frauen weit verbreiteten Vorbehalte gegen fremde Männer, die einem in geschlossene Räume folgen, als irrational dargestellt und allein die Thematisierung solcher Erlebnisse wurde aggressiv attackiert - einige Bloggerinnen erhielten sogar Vergewaltigungsdrohungen.
Damals fehlte es an Verständnis dafür, was Rebecca Watsons Perspektive geprägt hat. Und ehrlich gesagt, ist auch mir erst in den letzten Tagen einiges darüber klarer geworden.
Der #Aufschrei,, nämlich, der aktuell durch Twitter geht, könnte ein Bindeglied zwischen dem "Elevatorgate" und dem vielfach geleugneten Alltagssexismus darstellen, denn der #Aufschrei zeigt - nicht nur Männern - woher genau die "weibliche" Angst vor (manchen) Männern stammt.
War zuvor "Schrödingers Vergewaltiger" ein Begriff, der die skeptische Community erst recht spaltete, wird dieser mit dem Hintergrund der #Aufschrei-Anekdoten vielleicht verständlicher.
Nein, nicht alle Männer sind "potenzielle Vergewaltiger", aber Vergewaltigungen existieren nicht im Vakuum. Die Entscheidung, ob einem Konsens wichtig ist, fällt nämlich schon viel früher: Wenn man einer Frau auf den Busen starrt (nicht "guckt"), wenn man Frauen unverschämt angräbt und sie anschließend für abweisendes Verhalten mit Beleidigungen versieht, wenn man Frauen begrabscht, ihnen folgt, kurz: Wenn man ihr Einverständnis für irrelevant hält.
Zum Glück wird nur eine Minderheit von Frauen tatsächlich Opfer von sexueller Gewalt (aber noch immer erschreckend viele). Aber was so ziemlich jede Frau mehr oder weniger alltäglich erlebt, ist eine weit verbreitete Grundhaltung, subtile sexuelle Macht über Frauen sei salonfähig. Und es ist irrelevant, ob wir uns dabei unwohl oder gar unsicher fühlen.
An dieser Stelle wird aber der Konsens verletzt. Und ist er erst einmal verletzt, dann wird der Mann für uns zu "Schrödingers Vergewaltiger" - wir wissen nicht, wo und ob er eine Grenze hat, ab der er ein "Nein" akzeptiert.
Jemand, der einem in den Aufzug folgt, verhindert, dass man sich ihm entziehen kann. Das war die Grenzüberschreitung des Elevator Guys, von dem Rebecca Watson berichtete. An der Stelle wurde ihre Verhaltensauswahl gezielt eingeschränkt, um die eigenen Interessen verfolgen zu können.
#Aufschrei zeigt aber noch mehr. Gerade die Männer, die #Aufschei attackieren bestätigen, wie nötig dieser ist. Besonders zynisch sind Äußerungen, Frauen sollten sich lieber wehren, anstatt einen #Aufschrei zu veranstalten.
Ja, wie viel Rückhalt hat wohl eine Frau in einer Gesellschaft, in der sexuelle Übergriffe noch nicht einmal angesprochen werden sollen? Wird sie unterstützt werden, wenn ihre offensive Art erst recht Konsequenzen nach sich zieht?
Wer nichts von sexuellen Übergriffen hören will, will es auch nicht sehen und wird erst recht nicht helfen.
Und dass uns vermutlich niemand helfen würde, haben "wir"schon unser ganzes Leben lang signalisiert bekommen. Wenn Vergewaltigungswitze akzeptiert werden, wenn übergriffige Männer in Schutz genommen werden, weil sie der Bro von irgend jemandem sind oder wenn wir, wenn wir sexuelle Übergriffe denn mal thematisieren, gefragt werden, was wir getragen, wie wir uns verhalten und wo wir uns aufgehalten haben. Man signalisiert Frauen ihr ganzes Leben lang, dass sie für ihre Sicherheit selbst zu sorgen haben, weil im Zweifelsfall der Täter mehr Rückhalt erfahren wird als das Opfer. Und thematisieren Frauen solche Zustände mal, werden sie nicht selten übelst bedroht.
"Wehrt euch einfach" ist daher purer Hohn. Denn wer an einer echten Lösung interessiert ist, ist auch am Problem interessiert und bemüht sich nicht darum, es wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Zumal sich frau nicht richtig verhalten kann. Man weiß nämlich nicht, ob sich jemand, der sexuelle Macht ausüben möchte, von dem kurzen Rock oder einem langen Rock provoziert fühlt - denn es geht ihm ja eben nicht darum, ob sie sich ihm sexuell verfügbar zeigt. Man weiß in ähnlicher Weise auch nicht, ob sich ein Mann von defensivem oder offensivem Verhalten provoziert fühlt.
Es gibt nur drei Möglichkeiten für uns als Gesellschaft: Entweder, wir halten an unserer Rape Culture mit Victim Blaming (dazu gehört auch "wehrt euch doch!"), die nur die Täter schützt, fest oder wir ändern etwas. Entweder indem Männer Frauen in diesen Belangen endlich zuhören, die Probleme erkennen und sexuelle Übergriffe endlich ernst nehmen, oder indem Frauen sich tatsächlich "wehren". Dann aber werden sie sich auch gegen alle "Wehrt euch doch"- und "Stellt euch nicht so an!"-Typen wehren.
Ich würde die zweite Lösung vorziehen. Zumal auch viele Männer darunter leiden, dass Sexisten eine so große Macht über weibliches Verhalten haben dürfen: Welcher (nicht-sexistische) Mann möchte denn schon, dass Frauen nachts Angst vor ihm bekommen, wenn diese allein unterwegs sind. Welcher Mann ist nicht davon betroffen, dass Frauen sich kaum trauen, fremde Männer anzulächeln? Haben sich nicht schon genug Männer darüber gestört, dass sie eine unbekannte Frau nur schwer "einfach so" (auf ein Buch, das sie liest oder ein Shirt, das sie trägt, z.B.) ansprechen können, weil sie nicht wie einer von "denen" wirken möchten?
Es sind nicht die vielen Frauen, die durch den #Aufschrei das Verhältnis der Geschlechter verkomplizieren, es sind die Creeps, die das Problem sind.
Daraufhin brach ein Shitstorm über sie und feministische Skeptikerinnen ein. Der Vorfall wurde von vielen Männern herunter gespielt, die unter Frauen weit verbreiteten Vorbehalte gegen fremde Männer, die einem in geschlossene Räume folgen, als irrational dargestellt und allein die Thematisierung solcher Erlebnisse wurde aggressiv attackiert - einige Bloggerinnen erhielten sogar Vergewaltigungsdrohungen.
Damals fehlte es an Verständnis dafür, was Rebecca Watsons Perspektive geprägt hat. Und ehrlich gesagt, ist auch mir erst in den letzten Tagen einiges darüber klarer geworden.
Der #Aufschrei,, nämlich, der aktuell durch Twitter geht, könnte ein Bindeglied zwischen dem "Elevatorgate" und dem vielfach geleugneten Alltagssexismus darstellen, denn der #Aufschrei zeigt - nicht nur Männern - woher genau die "weibliche" Angst vor (manchen) Männern stammt.
War zuvor "Schrödingers Vergewaltiger" ein Begriff, der die skeptische Community erst recht spaltete, wird dieser mit dem Hintergrund der #Aufschrei-Anekdoten vielleicht verständlicher.
Nein, nicht alle Männer sind "potenzielle Vergewaltiger", aber Vergewaltigungen existieren nicht im Vakuum. Die Entscheidung, ob einem Konsens wichtig ist, fällt nämlich schon viel früher: Wenn man einer Frau auf den Busen starrt (nicht "guckt"), wenn man Frauen unverschämt angräbt und sie anschließend für abweisendes Verhalten mit Beleidigungen versieht, wenn man Frauen begrabscht, ihnen folgt, kurz: Wenn man ihr Einverständnis für irrelevant hält.
Zum Glück wird nur eine Minderheit von Frauen tatsächlich Opfer von sexueller Gewalt (aber noch immer erschreckend viele). Aber was so ziemlich jede Frau mehr oder weniger alltäglich erlebt, ist eine weit verbreitete Grundhaltung, subtile sexuelle Macht über Frauen sei salonfähig. Und es ist irrelevant, ob wir uns dabei unwohl oder gar unsicher fühlen.
An dieser Stelle wird aber der Konsens verletzt. Und ist er erst einmal verletzt, dann wird der Mann für uns zu "Schrödingers Vergewaltiger" - wir wissen nicht, wo und ob er eine Grenze hat, ab der er ein "Nein" akzeptiert.
Jemand, der einem in den Aufzug folgt, verhindert, dass man sich ihm entziehen kann. Das war die Grenzüberschreitung des Elevator Guys, von dem Rebecca Watson berichtete. An der Stelle wurde ihre Verhaltensauswahl gezielt eingeschränkt, um die eigenen Interessen verfolgen zu können.
#Aufschrei zeigt aber noch mehr. Gerade die Männer, die #Aufschei attackieren bestätigen, wie nötig dieser ist. Besonders zynisch sind Äußerungen, Frauen sollten sich lieber wehren, anstatt einen #Aufschrei zu veranstalten.
Ja, wie viel Rückhalt hat wohl eine Frau in einer Gesellschaft, in der sexuelle Übergriffe noch nicht einmal angesprochen werden sollen? Wird sie unterstützt werden, wenn ihre offensive Art erst recht Konsequenzen nach sich zieht?
Wer nichts von sexuellen Übergriffen hören will, will es auch nicht sehen und wird erst recht nicht helfen.
Und dass uns vermutlich niemand helfen würde, haben "wir"schon unser ganzes Leben lang signalisiert bekommen. Wenn Vergewaltigungswitze akzeptiert werden, wenn übergriffige Männer in Schutz genommen werden, weil sie der Bro von irgend jemandem sind oder wenn wir, wenn wir sexuelle Übergriffe denn mal thematisieren, gefragt werden, was wir getragen, wie wir uns verhalten und wo wir uns aufgehalten haben. Man signalisiert Frauen ihr ganzes Leben lang, dass sie für ihre Sicherheit selbst zu sorgen haben, weil im Zweifelsfall der Täter mehr Rückhalt erfahren wird als das Opfer. Und thematisieren Frauen solche Zustände mal, werden sie nicht selten übelst bedroht.
"Wehrt euch einfach" ist daher purer Hohn. Denn wer an einer echten Lösung interessiert ist, ist auch am Problem interessiert und bemüht sich nicht darum, es wieder in der Versenkung verschwinden zu lassen. Zumal sich frau nicht richtig verhalten kann. Man weiß nämlich nicht, ob sich jemand, der sexuelle Macht ausüben möchte, von dem kurzen Rock oder einem langen Rock provoziert fühlt - denn es geht ihm ja eben nicht darum, ob sie sich ihm sexuell verfügbar zeigt. Man weiß in ähnlicher Weise auch nicht, ob sich ein Mann von defensivem oder offensivem Verhalten provoziert fühlt.
Es gibt nur drei Möglichkeiten für uns als Gesellschaft: Entweder, wir halten an unserer Rape Culture mit Victim Blaming (dazu gehört auch "wehrt euch doch!"), die nur die Täter schützt, fest oder wir ändern etwas. Entweder indem Männer Frauen in diesen Belangen endlich zuhören, die Probleme erkennen und sexuelle Übergriffe endlich ernst nehmen, oder indem Frauen sich tatsächlich "wehren". Dann aber werden sie sich auch gegen alle "Wehrt euch doch"- und "Stellt euch nicht so an!"-Typen wehren.
Ich würde die zweite Lösung vorziehen. Zumal auch viele Männer darunter leiden, dass Sexisten eine so große Macht über weibliches Verhalten haben dürfen: Welcher (nicht-sexistische) Mann möchte denn schon, dass Frauen nachts Angst vor ihm bekommen, wenn diese allein unterwegs sind. Welcher Mann ist nicht davon betroffen, dass Frauen sich kaum trauen, fremde Männer anzulächeln? Haben sich nicht schon genug Männer darüber gestört, dass sie eine unbekannte Frau nur schwer "einfach so" (auf ein Buch, das sie liest oder ein Shirt, das sie trägt, z.B.) ansprechen können, weil sie nicht wie einer von "denen" wirken möchten?
Es sind nicht die vielen Frauen, die durch den #Aufschrei das Verhältnis der Geschlechter verkomplizieren, es sind die Creeps, die das Problem sind.
Freitag, 18. Januar 2013
Fake Geek Girls
Sie schleichen sich auf deine Dragoncon. Sie kleiden sich sexy oder tragen T-Shirts mit Geek-Motiven. Sie tun das alles nur, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Sie wissen zu wenig über Firefly. Oder Misstrauen erregend viel. Böse, weibliche Fake Geek Girls.
| Kaffeeklatsch mit R2D2. Nur eines von vielen Verbrechen des Fake Geek Girls. |
Fake Geek Girls: Ein Mem, ein Mythos, ein Fall von Othering.
Man könnte diesen Aberglauben natürlich einfach mit einem Lachen abtun, das signalisiert "Was willst du unsicherer Geek Boy eigentlich von mir?". Für viele Mädchen und Frauen aus der Szene ist das aber nicht so einfach. Und es würde auch nichts ändern.
Dabei haben es Frauen/Mädchen ohnehin oft schwerer, den Einstieg zu finden: Da weniger weibliche Geeks existieren, haben Mädchen und Frauen auch weniger Vorbilder, die ihnen den Weg zeigen können. Aber diese Einstiegshürde wird oft überwunden, immerhin ist das schöne am Geek Sein, dass es intrinsisch belohnend ist: Man beschäftigt sich mit Leidenschaft XYZ der Leidenschaft XYZ willen.
Die nächste Hürde ist, dass weibliche Geeks nicht so leicht eine eigene Peergroup finden, in der man sich gegenseitig bestärkt.
Und diese zweite Hürde, das ist nicht nur der Mangel an Geeks weiblichen Geschlechts in der Szene. Diese zweite Hürde, das ist auch der unsichere männliche Geek. Der Geek, der einen neuen männlichen Geek mit offenen Armen empfängt, aber einen neuen weiblichen Geek (und auch alteingesessene) erst auf Herz und Nieren prüft. Der einen weiblichen Geek auf einer Convention für die Begleitung eines "echten" Geeks hält. Kurz: Der sich eine Deutungshoheit darüber zuspricht, was "echtes" Geektum ausmacht.
Lieber unsicherer männlicher Geek,
Du tust der Szene keinen Gefallen. Nicht nur, dass du andere Geeks ausgrenzt und in ihren Gefühlen verletzt, du verletzt auch einen der wichtigsten Werte des Geektums. Geeks, das sind Menschen, die von einem Feuer für eine Sache (SciFi, Fantasy, Comics, Videogames,...) entflammt sind. Du wiederum versuchst diesen schönen intrinsischen Wert zu entwerten. Dadurch nämlich, dass du die Definition des Geeks mit Vorurteilen überlädst und dadurch, dass du den Blick auf die Sache an sich durch willkürliche Eigenschaften (vermutlich: männlich, weiß, heterosexuell, eher nicht der Alleinunterhalter-Typ) verstellst.
Unter diesen Mädchen und Frauen, die du kränkst, bin z.B. ich. Als meine Geek-Geschichte begann, hatte ich keine Jungs in meinem Freundeskreis, die ich beeindrucken konnte. Ich war in einer weiblichen Peergroup. Und während alles um mich herum Boy Groups umschwärmte, schwärmte ich für Star Wars und hörte lieber Soundtracks als Pop-Schnulzen. Ich war allein.
Und ich lasse mir diesen Wert, den SciFi und Videogames für mich seit jeher haben, nicht von jemandem schmälern, der aus Unsicherheit Othering betreibt.
Vielleicht, ja nur vielleicht ist jemand, der seine Leidenschaft gegen alle Vorurteile pflegt und der sein Geek-Sein nicht als Werkzeug zur Ausgrenzung missbraucht, sogar ein aufrichtigerer Geek.
All den coolen Geeks, die glücklicherweise den Großteil meiner Erfahrungen prägen, danke ich hingegen an dieser Stelle. Einfach eurer selbst willen wegen. Ich bin vernarrt in euch!
Liebe Grüße
Zernunft
Montag, 14. Januar 2013
Erythrophobie und Bewerbungsdepression
Eigentlich bin ich mit der Person, für die ich mich halte, so ziemlich im Reinen. Das kann man aber zeitweise vergessen, wenn man zwischen zwei Lebensabschnitten steht und man sich auf der Warteliste des Lebens platziert fühlt.
Man definiert sich ja schon nicht gerade unwesentlich darüber, was man tut. Und wenn man sich gerade bewirbt, hat man halt Mühe, sein Selbstbild auf irgend etwas zu projizieren. Anstatt "Studentin mit den und den Eigenschaften" bin ich jetzt halt eine lose Sammlung von Eigenschaften, die zerstreut in meinem Hinterstübchen herum liegen und irgendwie keinen Sinn mehr ergeben wollen.
Also hangel ich mich von einem Tag zum nächsten. Und dabei denke ich manchmal daran zurück, wie mich das Leben bisher geprägt hat.
Ein wesentlicher Einschnitt in meiner Entwicklung war sicher die Erythrophobie.
Erythrophobie - das ist die Angst vorm Erröten.
Ich war ein glückliches, selbstbewusstes Kind. Sicherlich war ich relativ schüchtern, aber ich nahm das Leben mit diesem selbstverständlichen Vertrauen, das wohl viele der Kinder haben, die aus einem liebevollen, finanziell abgesicherten Elternhaus kommen. Und ich war das kluge Töchterchen. Und die Lieblingsschülerin meiner Klassenlehrerin.
All das änderte sich schlagartig, als ich auf das Gymnasium wechselte. Ich war eingeschüchtert von den vielen Klassenkameraden und von dem Gedanken, meine "Klugheit" von nun an beweisen zu müssen.
An dieser Stelle folgt ein wichtiger Einschub:
Ich glaube nicht an Intelligenz. Intelligenz ist nicht schlüssig definiert und ist meines Erachtens nichts weiter als ein bequemer Sammelbegriff. Unser Gehirn ist hoch plastisch und hoch flexibel. Woran macht man fest, welche kognitiven Fähigkeiten nun "intelligent" sind und welche es nicht sind? Am Erfolg in der Gesellschaft? Daran also, welche Eigenschaften Privilegierte besitzen? Noch jemand hier, der einen Zirkelschluss riecht? "Erfolgreich sind jene, die die Eigenschaften der Erfolgreichen besitzen."
Das wäre vor nicht langer Zeit "weiß, männlich, cis, gebildet" gewesen. Und irgendwie wird der Intelligenz-Begriff ja auch seit jeher dazu missbraucht(?) zu erklären, warum es Minderheiten oder auch einfach Frauen schwerer haben, erfolgreich zu sein. So so.... (Blogger "Tim" zu Imposter Syndrome und Intelligenz (englisch): Lang, aber lesenswert!)
Vor dem Wechsel auf die weiterführende Schule war mein Selbstverständnis als "kluges Mädchen" unangefochten. Ich war erfolgreich in der Schule, also muss ich intelligent sein. Nun aber saß ich ja nur noch mit Schülern in einer Klasse, die auch alle bisher erfolgreich in der Schule gewesen waren. Würde ich nun versagen? Was würde das über meine Intelligenz aussagen? Worauf wären meine Eltern dann noch stolz? Wodurch würde ich dann noch heraus ragen?
Da Intelligenz nicht definiert ist, verstehen "kluge Kinder" nicht, was sie besonders macht. Sie brauchen in bestimmten Dingen weniger Übung oder haben schneller den richtigen Einfall in der Klasse. Es ist aber nie selbstevident, sondern immer nur durch den Vergleich mit Anderen offenbar. Vielleicht war meine "Klugheit" nichts weiter als ein bestimmtes Interesse an Dingen, die in der Schule wichtig waren? Vielleicht hatte ich einen Vorsprung, weil ich sehr wissbegierig war und weil meine Eltern meine Neugierde gestärkt haben. Vielleicht ist all das, was angeblich eine Art schwammiges angeborenes"Talent" sein soll, nichts weiter, als eine erlernte und später bestärkte Art, Informationen zu verarbeiten? Vielleicht wird "Intelligenz" zur self fullfilling prophecy.
Diese Zweifel am System kannte ich in dem Alter natürlich noch nicht. Also zweifelte ich anstatt dessen an mir, hatte Angst zu versagen und wurde unsicher. Dazu kam meine Schüchternheit und sicherlich auch die Pubertät, die mit einer Veränderung des Selbstverständnisses verbunden ist.
Es geschah dann recht bald, dass ich vor Aufregung errötete, sobald ich angesprochen wurde. Ich kann mich nicht erinnern, wie ich in den Teufelskreis der Erythrophobie gekommen bin. Für gewöhnlich sind es harmlose Kommentare zur Gesichtsfarbe. Man fühlt sich bloßgestellt, hat das Gefühl, sein Innerstes würde öffentlich zur Schau gestellt werden. Man schämt sich. Und man hat Angst, dass es wieder geschieht. Weswegen das erste, woran man denkt, wenn man angesprochen wird, das Erröten ist. Weswegen man errötet.
Die Angst vor dieser Spirale aus Scham und Rückzug führt zum Kontrollverlust. Die Angst, vor der Klasse zu erröten, wurde so groß, dass ich am mündlichen Unterricht kaum teilnahm. Das verschlechterte meine Noten und das Imposter Syndrom - die Zweifel an meinen Fähigkeiten - wurde schlimmer.
Die mündliche Teilnahme wurde das, "was ich halt nicht kann". Schriftliche Noten wurden zur persönlichen Bewährungsprobe, dass ich "doch noch was kann". Dieses gekränkte Selbstverständnis sollte meinen Bildungsweg noch lange prägen.
Glücklicherweise endete mein Problem mit der Erythrophobie bereits nach wenigen Jahren. In einer Jugendzeitschrift las ich einen Erfahrungsbericht, laut dem ein Mädchen über das Erröten hinweg gekommen war, indem es gelernt hatte, es zu ignorieren.
Doch bevor es besser wurde, musste es erst noch schlimmer werden. Ich weiß noch, wie ich mich mit einer Klassenkameradin und einem Klassenkameraden (der auch noch ein Verehrer von mir war) unterhielt und ich mich endlich nicht wegdrehte oder den Kopf senkte, als die verhasste Hitze in meinen Kopf stieg. Ich konnte spüren, wie mein Gesicht immer heißer wurde und ich schämte mich. Aber ich würde mich diesmal auf das Gespräch konzentrieren! Ich würde diesmal weiter sprechen, weiter lachen!
Und es trat der worst case auf: Der Junge, der auf mich stand, bemerkte: "Mann, bist du rot!"
Und ich lachte und sagte so etwas wie "Ich weiß!"
An diesem Tag besiegte ich die Erythrophobie.
Leider war der Schaden schon entstanden. Ich würde niemals mehr stark im mündlichen Unterricht werden und würde dadurch verinnerlichen, nichts Wichtiges zu sagen zu haben.
Wenn ich mich heute mit einem Lebenslauf bewerbe, der auf eine verlängerte Studienzeit schließen lässt und in dem keine schmucken Dinge wie Auslandssemester oder gesellschaftliches Engagement zu verzeichnen ist, dann fällt es mir zunehmend schwer, mich nicht danach zu bewerten, wie mittelmäßig ich wirken muss.
Es gibt eben keine Noten oder Auszeichnungen dafür, sich selbst überwinden zu müssen.
Aber das habe ich doch wohl getan, wenn ich, mit dieser Vorgeschichte, in der mündlichen Zoologie-Prüfung als "selbstsicher" bezeichnet werde. Wenn ich auf der Hochzeit meines Bruders die Einzige bin, die eine Rede hält. Wenn ich trotz meiner Angst, Englisch zu sprechen, kurzfristig den TOEFL-Test mache. Und die Angst, englisch zu sprechen, damit überwinde. Ich hab vielleicht länger gebraucht, aber mein Weg war ja auch länger.
Ich bin weit gekommen.
Sonntag, 23. Dezember 2012
innerer Monolog
Innerer Monolog
Hallo? Entschuldigung? Ich möcht' ja
nicht stören
Aber es wäre nett, würde ich mir kurz
zuhören.
Das Jahresende ist so furchtbar
sentimental.
Man stellt sich gar komische Fragen
Ist das Leben ein bloßes Phänomen
oder ist es phänomenal?
Und habe ich einen freien Willen, habe
ich hier das Sagen?
Nein, fatalistisch sollte man nicht
werden
Nur weil Lebensplanung so weit entfernt
vom Leben ist
Sonst liegen die Träume schon in
Scherben
Noch bevor man eine Entscheidung zu
ihren Gunsten trifft.
Und lebst du in der Zukunft, so lebst
du nicht.
Aufgeschobenes wird keinem Konto
gutgeschrieben.
Auch der schönste Diamant braucht zum
Funkeln Licht
Drum lerne, dich schon jetzt zu lieben.
Warte nicht darauf, jemand anders zu
werden
Niemand hat deine Träume mehr verdient
als du
Du verbleibst nicht bis in alle
Ewigkeit auf Erden
Drum verschiebe deine Träume nicht
immerzu.
Warum pflegst du deine Ängste anstatt
dich ihnen zu stellen?
Gepflegte Ängste sehen auch nicht
besser aus.
Natürlich wirft die Konfrontation mit
ihnen Wellen
Doch sie zu behalten ist der
längerfristige Graus.
Warum ängstigt dich die Unsicherheit?
Nicht in der Route deiner Reise liegt
das Glück
Sondern in ihrer Bewältigung, ihrer
Erlebbarkeit.
Drum schaue auch nie bedauernd zurück.
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